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Geschichte der Diözese Petrikau

Auf dieser Seite:Belchatow (Filiale Pozdzienice) • Czestochowa / TschenstochauKleszczowLaskPetrikau (Filiale Kamocin) • Radomsko-DziepolcTomaschow (Filiale Zawiercie) • Wielun
 

Diözese Petrikau (gegr. 1901)

(von Omar Welke)

Die Diözese Petrikau wurde im Jahre 1901 durch die Teilung der ursprünglichen vier Diözesen Warschau, Plock, Kalisch und Augustowo in fünf Diözesen gebildet. Sie umfaßte damals 15 Kirchspiele und 10 Filialen. Dies waren: 1)

Die Grenzen der Kirchspiele und Diözesen wurden im Jahr 1936 mit der Bildung der Diözese Lodz erneut geändert. Die nachfolgend nicht beschriebenen Kirchspiele und Filialen aus obiger Liste gingen laut dem Kirchengesetz von 1936 vollständig in die neue Lodzer Diözese über und werden an anderer Stelle erklärt.

Kirchspiel Belchatow (gegr. 1837)

Besiedlung und Geschichte:
Die ersten deutschen Kolonien in dieser Region - Rassy Holendry, Kalduny Hol. und Myszaki Hol. - wurden im Jahr 1795 gegründet. Andere Kolonien folgten nahe Belchatow, wie z.B. Huta Poraj, Pawlow Szkolny und Szkolwierzyniec. In der Stadt Belchatow selbst ließen sich erst im Jahre 1804 deutsch-evangelische Tuchmacher und Handwerker nieder. Das gleiche geschah in dem von Belchatow nicht weit entfernten Städtchen Grocholice.

Das Kirchspiel Belchatow wurde erst 1837 gegründet. Kleszczow war eine Zeit lang Bestandteil des Kirchspiels Belchatow-Kleszczow, verselbständigte sich aber im Jahr 1847. Die Lutheraner, die vorher der reformierten Gemeinde zu Zelow angehörten, wurden 1850 an Belchatow angegliedert. 2)

Eine große Abwanderungswelle aus dem Kirchspiel ereignete sich zwischen den Jahren 1870 und 1875 und die meisten der Siedler gingen nach Wolhynien. Ganze Siedlungen erloschen in dieser Zeit, wie Zwierzyniec, Stoki, Wola, Mikorska, Janow, Rassy und Kelchenhof.

Ortschaften im Kirchspiel Belchatow:

Huta Poraj
Janow
Kalduny
Kelchenhof
Mikorsk
Myszaki
Pawlow

Pawlow szkolny
Rassy
Stoki
Szkolwierzyniec
Wola
Zwierzyniec

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Kirchspiel Czestochowa (gegr. 1846)

Besiedlung und Geschichte:
Die deutsch-evangelische Weberkolonie Hilsbach-Czarnylas wurde 1802 gegründet, 8km nördlich von Czestochowa-Tschenstochau. In Kamienica Polska siedelten sich tschechische Weber aus Preußisch-Schlesien an.

Die nächstgelegene evangelische Gemeinde war in Wielun (65 km), so wurden Geburten, Todesfälle usw. in den katholischen Kirchenbüchern von Czestochowa- Tschenstochau festgehalten, bis zum Jahr 1846, als die Filiale von Hilsbach-Czarnylas gegründet wurde. Das Gemeindezentrum wechselte 1852 nach Czestochowa- Tschenstochau.

Im Jahr 1906 wurde die Filiale Czestochowa-Tschenstochau zu einem selbständigen Kirchspiel ernannt.

Statistische Angaben:
Es gab 1 Kirche, 2 Betsäle, 5 Friedhöfe und 2 Schulen mit Unterricht in polnischer Sprache bis zum 2. Weltkrieg.

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Kirchspiel Kleszczow (gegr. 1847)

Besiedlung und Geschichte:
Evangelisch-lutherische Siedler deutscher und polnischer Nationalität und auch Tschechen reformierten Glaubens kauften im Jahre 1818 das Dominium Kleszczow. Sie kamen aus Preußisch-Schlesien und der Provinz Posen. Eine Reihe von Ortschaften wurden gegründet. Die wohlhabenderen evangelischen Bauern besiedelten den fruchtbareren Boden von Kleszczow, Kucow und Folwark (früher Nowe Folwarki). Ärmere Kolonisten konnten nur den sandigen Boden von Stawek (früher Stawki) und Rogowiec (früher Pustkowie-Rogowiec) erwerben.

Außerdem kamen zu den bisherigen Siedlern Kolonisten aus dem Kirchspielen Lask, Wielun und Belchatow hinzu. Einzelne evangelische tschechische und polnische Familien ließen sich in der Umgebung der Städte Kleszczow, Kucow, Luszczanowice, Zlobnica, Folwark, Janow und Wiewiec nieder.

Im Jahre 1837 wurde die Filiale Kleszczow konstituiert. 1847 wurde Kleszczow selbständig und erhielt den ersten eigenen Pastor. Vor dieser Zeit wurden Hochzeiten und Taufen in der katholischen Kirche durchgeführt. 3)

Die Filiale Dziepolc wurde im Jahr 1853 mit Kleszczow verbunden.

Statistische Angaben:
1 Kirche, 3 Bethäuser und 13 Friedhöfe.

Ortschaften im Kirchspiel Kleszczow:

Folwark (Nowe Folwarki)
Gatka
Janow
Kleszczow
Kucow

Modrzewiec
Rogowiec (Pustkowie-Rogowiec)
Stawek (Stawki)
Wiewiec
Zlobnica

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Kirchspiel Lask (gegr. 1809)

Besiedlung und Geschichte:
Verweise auf evangelisch-lutherische Siedler in der Region um Lask gibt es seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Deutsche aus Posen, Thüringen, Sachsen und Pommern gründeten neue Ortschaften in dieser Gegend. Das Kirchspiel Lask mit den umliegenden Siedlungen wurde im Jahr 1809 gegründet. Das Kirchspiel durchlebte eine wirtschaftlich schwere Zeit, von 1824 bis 1927 hatte es keinen Pastor und wurde zu einer Filiale von Zdunska-Wola abgestuft, dessen Prediger es einmal im Monat bereisten. Von 1839 bis 1855 verwaltete der Pastor aus Pabiance die Gemeindegeschäfte. Somit sind eine Vielzahl der aufgezeichneten Geburten und Hochzeiten in den umliegenden Kirchspielen zu finden. 4)

Statistische Angaben:
Es gab 2 Kirchen (Lask und Chorzeszow), 3 Bethäuser (Rokitnica, Zabloty und Drzewociny), 2 Betsäle (Anielin und Okup) und 7 Friedhöfe.

Ortschaften im Kirchspiel Lask:

Anielin
Bocianichy
Chorzeszow
Drzewociny
Erywangrod
Jesionna
Mierzaczka

Okup (gegr. um 1807)
Rembow
Rokitnica
Teodory
Zabloty
Zalesie

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Kirchspiel Piotrkow / Petrikau (gegr. 1796)

Besiedlung und Geschichte:
Das Kirchspiel Petrikau wurde 1796 gegründet, das älteste Kantorat lag im Ort Leonow. Ein Reiseprediger weihte aber erst 1813 offiziell das erste erbaute Bethaus in Leonow ein. Zahreiche preußische Beamte, Militärs und Handwerker siedelten sich nach der zweiten Teilung Polens im Jahr 1793 in der Stadt Petrikau an. Eine Vielzahl evangelisch-lutherischer Ortschaften wurden im Umfeld der Stadt Petrikau gegründet. Diese wurden anfangs von einem unbekannten Militärprediger betreut bis zur offiziellen Gründung des Kirchspiels und der ersten Ernennung eines Pastors. In den Jahren 1798 bis zum Ende der preußischen Herrschaft 1806 amtierte erneut ein Militärprediger, Friedrich Wilhelm SCHRAMM. 5)

In den Jahren von 1807 bis 1824 war das Kirchspiel verwaist und wurde nur zeitweise von den Pastoren aus Lask, Bruzyca und dem Kirchspiel Ilow besucht.

1852 wurde die Filiale Przedborz gegründet. Die Filialen Pilica und Kamocin kamen 1857 bzw. 1874 hinzu.

Statistische Angaben:
2 Kirchen, 6 Bethäuser und 7 Friedhöfe

Ortschaften im Kirchspiel Piotrkow / Petrikau:

Kamocin
Meszcze
Pilica

Piotrkow
Polichno
Przedborz

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Kirchspiel Radomsko-Dziepolc (gegr. 1936)

Besiedlung und Geschichte:
Feliksow und die sogenannte Waldholländerei im Kreis Radomsko wurden noch vor 1795 gegründet. Im Jahr 1809 siedelten sich hier deutsch-evangelische Kolonisten in Kondratow, Teodorow, Elzbietow, Florentynow und Michalopol an. 1811 wurde Dziepolc gegründet.

Die Gemeindegeschäfte wurden anfangs von den Pastoren aus Bruzyca, Kielce, Petrikau und Belchatow ausgeübt. 1841 gründete der Pastor des Kirchspiels Belchatow die Filiale Feliksow (auch bekannt als Zapolice). Der Sitz der Filiale wurde im Jahr 1842 nach Radomsko verlegt. Kurze Zeit später wurde die Filiale nach Dziepolc (5 km von Radomsko entfernt) verlegt. Die neu formierte Filiale Dziepolc setzte sich aus sechs Kantoraten zusammen: Teodorow, Feliksow, Bugaslowow, Krery, Antoniew und Michalopol. Die selbständige Filiale Radomsko wurde 1917 eingerichtet und im Jahr 1936 gründete man das Kirchspiel Radomsko-Dziepolc. 6)

Statistische Angaben:
2 Kirchen, 1 Bethaus, 4 Betsäle, 10 Friedhöfen und 2 Kantorhäusern.

Ortschaften im Kirchspiel Radomsko-Dziepolc:

Antoniew
Bugaslowow
Dziepolc
Elzbietow
Feliksow
Florentynow

Kondratow
Krery
Michalopol
Radomsko
Teodorow
Waldholländerei

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Kirchspiel Tomaschow (gegr. 1830)

Besiedlung und Geschichte:
Die älteste deutsche Kolonie in der Region war Laczkowice. Sie wurde im Jahr 1797 gegründet. Fast gleichzeitig entstand die Kolonie Maksymow etwas weiter südlich. Die Kolonien Wykno, Ciosny und Lipkianki folgten im Jahr 1818. Graf Anton von OSTROWSKI faßte im Jahr 1815 den Entschluß, einen Fabrikort in Tomaschow zu gründen. Der Graf war gleichzeitig Senator und Kastellan des ehemaligen Königreiches Polen und Besitzer der Tomaschower Güter, sowie des 10 km entfernten Städtchens Ujazd. Er verlegte 1812 seinen Hauptsitz von Ujazd nach Tomaschow. Im Jahr 1821 begab er sich nach Grünberg, Sagan, Görlitz und andere Städte, um Tuchmacher für sein Projekt zu gewinnen. Die meisten dieser Tuchmacher ließen sich in Ujazd nieder. 7)

Pastor Johann Jakob BENNI aus Petrikau gab am 28. November 1830 während des Gottesdienstes die Gründung der Kirchgemeinde Tomaschow bekannt. Im Jahr 1863 wurde aus den Dörfern, die östlich des Flußes Pilica lagen, die Filiale Wielka-Wola gebildet. Folgende Orte gehörten zu dieser Filiale: Konstantynow, Blogie, Skorkowek, Opoczno und Feliksow. 1878 wurde die Filial-Gemeinde aufgelöst und an das Tomaschower Kirchspiel angegliedert. Viele Siedlungen gingen ein, da die deutsch-evangelischen Bauern ihre Wirtschaften verkauften und nach dem Lubliner Land und Wolhynien abwanderten. 8)

Statistische Angaben:
Zum Kirchspiel gehörten 2 Kirchen, 20 Friedhöfe, 11 Betsäle.

Ortschaften im Kirchspiel Tomaschow:

Blogie
Ciosny
Feliksow
Helenow
Konstantynow
Laczkowice
Lipianki
Maksymow

Olszewice
Opoczno
Skorkowek
Syski
Ujazd
Walentynow
Wykno

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Kirchspiel Wielun (gegr. 1820)

Besiedlung und Geschichte:
Wielun ist eine der ältesten Städte Polens und spielte eine bedeutende Rolle in der Zeit der Reformation. In dieser Zeit und auch noch später gab es kalvinistische Gemeinden in Wielun, Parcice und Mielecin.

In der südpreußischen Regierungszeit wanderten polnische und deutsche lutherische Bauern, Handwerker und Arbeiter in die Region Wielun ein. Die Polen stammten aus der Provinz Posen und Oberschlesien, die Deutschen aus Niederschlesien, Preußen und Pommern. Ihren religiösen Mittelpunkt hatten die Evangelischen im Dorf Krzeczow und hier entstand 1859 ihre erste gemauerte Kapelle. Das Kirchspiel Wielun selbst wurde bereits 1820 gegründet. Im Jahr 1824 ließ sich der Feintuchfabrikant Hubert NEUVILLE in Wielun nieder. Bis zum Jahr 1830 wurden schon 44 Webstühle in seiner Fabrik gezählt.

Die evangelische Gemeinde nahm ab 1848 stark ab, da eine hohe Sterblichkeitsrate zu verzeichnen war und später die Auswanderungen einsetzten. 1854 wurde die Kolonie Barczew gegründet. Im gleichen Jahr konstituierte sich die Filiale Panki und das Kantorat Marianow. Die Filiale Panki blieb in administrativer Verbindung mit Wielun bis zum Jahr 1876. 9)

Die Bevölkerung des Kirchspiels war ethnisch gemischt und die Gottesdienste wurden vorwiegend in polnischer und vereinzelt in deutscher Sprache abgehalten.

Ortschaften im Kirchspiel Wielun:

Barczew
Czarnylas
Grabowsa
Janow
Kloniczki
Lututow
Marianow
Mielecin
Panki

Parcice
Sieradz
Swoboda
Swoboda-Swiakowika
Tschenstochau
Wielun
Wierunszow
Wolka-Bedkowska
Wolnica

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Filiale Zawiercie (gegr. vor 1914)

Besiedlung und Geschichte:
Zawiercie, ursprünglich ein kleines Dorf mit einer Anzahl evangelisch-lutherischer Familien, gehörte dem Gutsherrn Poreba Mrzyglodzka. Der erste evangelische Gottesdienst wurde 1860 gehalten. Erst Ende der 80er Jahre begann die Entwicklung zu einem großen Fabrikstandort.

Der Ort gehörte bis 1888 zur Filiale Dombrowa und anschließend zu Tschenstochau. Der Grundstein für die Kirche in Zawiercie wurde am 9. Juni 1898 gelegt, am 29. Okt. 1899 wurde sie geweiht. Die Filiale Zawiercie wurde vor 1914 begründet. 10)

Statistische Angaben:
In der Stadt Zawiercie lebten um 1900 annähernd 80 evangelische Familien.

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Filiale Kamocin (gegr. 1873)

Besiedlung und Geschichte:
Deutsch-evangelische Kolonisten erbauten im Jahr 1830 in Kamocin eine Kantoratsschule und ein Bethaus. Kamocin liegt 10 km von Petrikau entfernt. Die evangelische Gemeinde blieb klein, da die Baptisten in dieser Gegend stark vertreten waren. Aber 1873-74 wurde Kamocin zusammen mit den umliegenden Ortschaften zu einer Filiale von Petrikau. Eine Kirche und eine Schule wurden gebaut. Im Jahr 1881 wurde eine neue Kirche eingeweiht.

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Filiale Pozdzienice (gegr. 1857)

Besiedlung und Geschichte:
Pozdzienice, Pawlowa, Korablew und Janow-Grabiecki gehörten bis 1849 zur reformierten Gemeinde von Zelow. Nach der Auflösung des Generalkonsistoriums wurden diese lutherischen Kantorate an das Kirchspiel Belchatow angeschlossen und ab dem Jahr 1857 bildeten die eben erwähnten Ortschaften die Filiale Pozdzienice. 11)

Ortschaften in der Filiale Pozdzienice:
Janow-Grabiecki
Korablew
Pawlowa
Pozdzienice

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Anmerkung des Übersetzers: Bei der deutschen Übersetzung des englischen Originaltextes von Omar Welke wurde die von ihm genannte Quelle vergleichend hinzugezogen und der Text an einigen Stellen korrigiert bzw. ergänzt. Entsprechende Textstellen sind gekennzeichnet.

Quelle: Eduard Kneifel: "Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555 - 1939", Selbstverlag des Verfassers, Vierkirchen 1971

 1) ebenda Seiten 106 - 124
 2) ebenda Seite 107, Absatz 2 f
 3) ebenda Seite 113, Absatz 3
 4) ebenda Seite 114, Absatz 4
 5) ebenda Seite 116, Absatz 3
 6) ebenda Seite 118, Absatz 3 ff
 7) ebenda Seite 119, Absatz 3
 8) ebenda Seite 120, Absatz 2 f
 9) ebenda Seite 122, Absatz 1 ff
10) ebenda Seite 112, Absatz 2 ff
11) ebenda Seite 109, Absatz 3

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